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Bd. 10: Die «Protokolle der Weisen von Zion» vor Gericht


Michael Hagemeister: Die «Protokolle der Weisen von Zion» vor Gericht. Der Berner Prozess 1933–1937 und die «antisemitische Internationale». Veröffentlichungen des Archivs für Zeitgeschichte ETH Zürich, Band 10, Chronos Verlag, Zürich 2017. 640 S., 40 Abb.

1933 erhoben der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Israelitische Kultusgemeinde Bern vor dem Berner Amtsgericht Klage gegen die Verbreiter der Protokolle der Weisen von Zion. Eigentlich aber standen die Protokolle selbst vor Gericht. In dem weltweit beachteten Verfahren suchten die Kläger das einflussreichste Dokument des modernen Antisemitismus als Fälschung zu entlarven und dadurch den Mythos von der jüdischen Weltverschwörung zu widerlegen.

Die jüdischen Kläger machten es sich zur Aufgabe, die Entstehung der Protokolle durch Dokumente und Zeugenaussagen lückenlos zu rekonstruieren. Dabei trugen sie im Bewusstsein der historischen Bedeutung des Prozesses eine Vielzahl von Materialien zusammen. Die Dokumente sowie die damit verbundenen Korrespondenzen, die sich in der Schweiz und in Deutschland sowie besonders in Israel, Russland und den USA in insgesamt über 30 Archiven befinden, werden in der vorliegenden Publikation erstmals zusammengeführt. Damit entsteht ein detailliertes und differenziertes Bild der Vorgeschichte, des Verlaufs sowie der Hintergründe des Prozesses. Die antisemitischen Beklagten konnten auf ein weit verzweigtes Netzwerk zurückgreifen, das seit den frühen 1920er Jahren geknüpft worden war. Diese bisher kaum erforschte selbsternannte «antisemitische Internationale» reichte von Berlin, Paris und Wien bis nach Los Angeles und ins mandschurische Harbin.

Michael Hagemeister hat die Dokumente erschlossen, chronologisch geordnet, kommentiert und mit einer Einführung versehen. Zahlreiche Protagonisten, deren Namen, Herkunft und Rolle bisher unklar waren, werden identifiziert. Dabei wird die vorherrschende Sicht auf die Herkunft und Frühgeschichte der Protokolle grundlegend revidiert, auch wenn die Frage der Urheberschaft weiterhin offen bleibt. Die Publikation ist ein Standardwerk für die künftige Forschung über die Protokolle der Weisen von Zion.