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Praxistipps zur Oral History

© Archiv für Zeitgeschichte
Technisches Setting für Gruppeninterviews im Archiv für Zeitgeschichte

Zeitzeugeninterviews sind Momentaufnahmen: Sie dokumentieren persönliche Erinnerungen zu dem Zeitpunkt und in dem Kontext, in dem das Interview aufgezeichnet wird. Als historische Quellen sind sie Unikate. Wenn diese einzigartigen Dokumente für spätere Generationen erhalten werden und die darauf beruhenden wissenschaftlichen Erkenntnisse nachvollziehbar bleiben sollen, sollten die Interviews (oder zumindest deren Transkriptionen) einem Archiv übergeben und nach Ablauf einer angemessenen Schutzfrist zugänglich gemacht werden.

Ermöglichung von Quellenkritik

Der historische Wert von Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen hängt nicht nur vom Inhalt der Gespräche ab, sondern auch davon, ob die Interviews einer Quellenkritik unterzogen werden können. Dabei ist entscheidend, dass über die interviewten Personen zuverlässige Informationen erhoben werden und der Kontext, in dem die Interviews entstanden, selbstkritisch offengelegt wird. Dazu müssen ein biografischer Fragebogen und ein Interviewprotokoll konzipiert und zusammen mit den Interviews überliefert werden.

Übergabe von Forschungsdokumentationen ans Archiv

Die Archivierung von Tondokumenten setzt eine genügende Aufnahmequalität voraus. Deshalb sind einige technische Hinweise zu beachten. Um die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen über die Verwendung des Interviews aufzuklären und nachträgliche Diskussionen zu vermeiden, ist das Einholen einer Einwilligungserklärung immer zu empfehlen. Bei grösseren Projekten ist es sinnvoll, eine Vereinbarung abzuschliessen, welche die wissenschaftliche Nutzung und die Archivierung ausführlich regelt. Ist eine Archivierung geplant, sollte den Interviewten die Möglichkeit einer (langen) Schutzfrist eingeräumt werden. Es ist zudem dringend empfohlen, mit dem Archiv, das die Interviews später übernehmen soll, bereits zu Beginn des Projekts Kontakt aufzunehmen.

Transkription und Erschliessung von Interviews

Es ist schwierig, sich in mehrstündigen Tonaufnahmen zurechtzufinden. Die mit Timecodes versehene Transkription ermöglicht dagegen einen raschen Überblick und das gezielte Durchsuchen des Textes. Sie ist deshalb state of the art in Oral History-Projekten und wird zusammen mit der Tonaufnahme, die sie nicht vollwertig ersetzen kann, archiviert. Um den Aufwand kalkulieren zu können, ist die Beachtung einiger Hinweise zur Transkription nützlich. Weil Volltexttranskriptionen nicht immer möglich sind, hat das Archiv zudem interne Richtlinien zur Erschliessung von Oral History-Interviews definiert.

 

Rechtlicher Hinweis: Die hier zur Verfügung gestellten Dokumente sind Empfehlungen des Archivs für Zeitgeschichte. Sie können frei verwendet und den aktuellen Bedürfnissen des jeweiligen Projekts sowie den sich wandelnden rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Die Verwendung der zur Verfügung gestellten Dokumente geschieht auf eigene Verantwortung. Eine Haftung des Archivs ist in jedem Fall ausgeschlossen.