- Erschliessen - Archivierung - Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich - www.afz.ethz.ch
Language:

Neue Bestände von Flüchtlingshilfeorganisationen

© Archiv für Zeitgeschichte (VSJF-Archiv Luzern)
Passierschein des Flüchtlingslagers Gütsch, 03.02.1943

Im Jahr 2020 konnten – nebst einer umfangreichen Nachlieferung des Verbandes Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen VSJF – drei weitere, kleinere Archive von Flüchtlingshilfsorganisationen erschlossen werden. Diese sind ab sofort online recherchierbar. Es handelt sich dabei um den Bestand des VSJF Luzern, den Teilbestand der Schweizerischen Oekumenischen Flüchtlingshilfe (ehemals Kommission für orthodoxe Flüchtlinge) und den Teilbestand der Caritas Flüchtlingsabteilung.

Die Jüdische Flüchtlingshilfe Luzern wurde 1943 als lokales Komitee des VSJF für die Betreuung von in der Region Luzern untergebrachten Flüchtlingen gegründet. Die Leitung hatte Fernande Bloch inne. Es handelt sich um eine reichhaltige Dokumentation der Betreuungstätigkeit jüdischer Flüchtlinge im Raum Luzern während des Zweiten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Themen wie die Unterstützung, Platzierung und Seelsorge der Flüchtlinge, die Betreuung einzelner Lager und Heime und das von Fernande Bloch gepflegte Netzwerk sind anhand des Bestandes recherchierbar. Er enthält nebst allgemeinen Geschäftsakten knapp 1000 Personendossiers betreuter Flüchtlinge.

Die Schweizerische Oekumenische Flüchtlingshilfe SOEF wurde 1945 unter dem Namen Kommission für orthodoxe Flüchtlinge KOF von der Schweizerischen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe gegründet. Prägende Persönlichkeit war die langjährige Leiterin Silvia Plüss-Pozzi. Die Hilfsorganisation hatte den Auftrag, sich um die Betreuung von christlich-orthodoxen Flüchtlingen in der Schweiz zu kümmern. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dies insbesondere Militärflüchtlinge aus Jugoslawien sowie Displaced Persons aus dem Osteuropäischen Raum. Später wurden auch zunehmend Menschen anderer Glaubensrichtungen betreut. Der Archivbestand enthält grösstenteils Personendossiers zu Flüchtlingen, die zwischen 1945 bis in die 1970er Jahre von der SOEF betreut wurden.

Die Unterlagen der Caritas Flüchtlingshilfe befinden sich schon länger im Archiv für Zeitgeschichte und wurden im Rahmen einer Nachbearbeitung den heutigen Erschliessungsstandards angepasst. Enthalten sind Personendossiers zu Einzelfällen der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts, zu Einzelfällen von Internierten sowie zu Einzelfällen der Caritas-Flüchtlingsfürsorge im Zeitraum von ca. 1950 bis 1975. Einzelne Foto-Dossiers illustrieren das Thema Flüchtlingsfürsorge.