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Nachlass Hans Jenny

© Archiv für Zeitgeschichte (Nachlass Hans Jenny)
Hinter der Linse: Hans Jenny illustrierte seine Publikationen meist mit eigenem Bildmaterial (Steckborn 1954, Nachlass Hans Jenny)

2004 übernahm das Archiv für Zeitgeschichte einen Teil des Nachlasses von Hans Jenny (1912-1996). Bis 2013 kamen weitere Nachlieferungen hinzu. Ein weiterer Teil des Nachlasses, insbesondere Unterlagen mit Bezug zu Afrika, befindet sich bei den Basler Afrika Bibliografien (BAB) in Basel. Der Teilnachlass in Zürich umfasst gegen 10 Lfm, jener in Basel 7 Lfm.

Publizist und passionierter Reisender

Seit den 1930er Jahren berichtete Hans Jenny, damals Mitglied in frontistischen Organisationen, insbesondere für die dieser Bewegung nahestehenden Zeitungen. Als freier Journalist und Wirtschaftskommentator war Jenny zudem für deutsche Zeitungen und solche in deutsch besetzten Gebieten tätig. Die Artikel sind häufig mit eigenem Bildmaterial unterlegt, Fotografien, die Jenny während seiner zahlreichen Reisen und Ausflüge in der Schweiz und Europa angefertigt hat. Seit den 1930er Jahren unternahm Hans Jenny, meist in Begleitung seiner Ehefrau Trudy Jenny, ausgedehnte Reisen nach Deutschland, in die Donauländer, nach Süditalien, Polen, England, Frankreich, in die Benelux-Staaten, ins Baltikum und in den Balkan, nach dem Krieg v. a. auf den afrikanischen Kontinent (wiederholt ins südliche Afrika), aber auch nach Israel, Südeuropa, Skandinavien und in die USA. Aus diesen Reisen resultierten zahlreiche Reisetagebücher, Publikationen und reichhaltiges Foto- und Filmmaterial.

1945 gründete Hans Jenny mit seiner Ehefrau Trudy das Treuhandbüro Dr. Hans Jenny. Neben Dienstleistungen wie Steuerberatung und Buchführung wurden auch Verwaltung und Bau von Liegenschaften angeboten. 1960 erfolgte die Namensänderung zu VERIT Verwaltungs- und Immobilien-Gesellschaft AG, ein Unternehmen, das bis heute von der Familie geführt wird. 1968, unter dem Eindruck der Studentenunruhen und der totalitären Bedrohung durch den Ostblock, errichtete das Ehepaar Jenny die "Stiftung für abendländische Besinnung" (STAB, nachmalige "Stiftung für abendländische Ethik und Kultur"). 1970 war Hans Jenny zudem Mitbegründer des mit einer ähnlichen Zielsetzung geschaffenen Engadiner Kollegiums.

Bedeutung des Nachlasses

Der Nachlass von Hans Jenny präsentiert sich hinsichtlich des Materials und der darin berührten Themen äusserst vielfältig. Er vermag rund ein Jahrhundert schweizerische Zeit- und Familiengeschichte mit globaler Ausrichtung anhand schriftlicher und audiovisueller Quellen zu dokumentieren. Im Vordergrund stehen neben der publizistischen Tätigkeit vor allem familiengeschichtliche Unterlagen sowie die intensive Reisetätigkeit von Hans und Trudy Jenny. Das Fotomaterial eröffnet in Verbindung mit den von Jenny verfassten Artikeln, Aufsätzen und Monografien den Blick eines Schweizers auf das eigene Land, das umliegende Europa sowie auf einige afrikanische Länder dieser Zeit. Das persönliche und berufliche Netzwerk von Hans Jenny wird durch die sehr umfangreiche, weitgehend lückenlos erhaltene Korrespondenz ersichtlich. Seine häufig über mehrere Jahrzehnte andauernden schriftlichen Kontakte geben Aufschluss über sein weitverzweigtes Beziehungsnetz von den 1930er Jahren bis zu seinem Tod.