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Nachlass Gertrud Kurz

© Archiv für Zeitgeschichte (CFD-Archiv [Gertrud Kurz])
Gertrud Kurz mit Flüchtlingen im privaten Garten, 1939

1996 überliessen der Christliche Friedensdienst (CFD) und die Nachkommen von Gertrud Kurz dem Archiv für Zeitgeschichte den Nachlass von Gertrud Kurz als Schenkung. Dieser wurde 2000 übernommen, Nachlieferungen folgten 2012 und 2013.

Der ca. 27 Laufmeter umfassende Bestand beinhaltet vor allem Privatkorrespondenz sowie Korrespondenz mit Hilfswerken und Behörden, viele Fotos, Videos, Tonbänder, Presseausschnitte, Dokumentationsmaterial sowie die Flüchtlingskartei des CFD. Zeitlicher Schwerpunkt bilden die 1940er bis 1970er Jahre.

Gertrud Kurz und der Christliche Friedensdienst

Gertrud Kurz, geb. Hohl (1890-1972), organisierte zu Weihnachten 1938 als Präsidentin des schweizerischen Zweiges der seit den 1920er Jahren bestehenden "Kreuzritter-Bewegung" eine Zusammenkunft jüdischer und christlicher Flüchtlinge, aus der sich die "Flüchtlingshilfe der Kreuzritter" entwickelte. 1941 trat das kleine Hilfswerk, repräsentiert und geleitet von Gertrud Kurz, der "Schweizerischen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe" (SZF) bei. Das Anliegen war, Flüchtlinge ungeachtet ihrer politischen oder konfessionellen Ausrichtung zu betreuen. So wurden während des Zweiten Weltkriegs unter anderem viele jüdische Flüchtlinge durch das Hilfswerk unterstützt.

Seit 1947 nannte sich das Hilfswerk "Christlicher Friedensdienst" (CFD) und verstand sich im Sinne von Gertrud Kurz nicht als reines Hilfswerk, sondern auch als Teil der internationalen Friedensbewegung. Neben der vom Bund mitfinanzierten Flüchtlingshilfe unterstützte der CFD Entwicklungsprojekte im Ausland. In den 1960er Jahren engagierte er sich für algerische Flüchtlinge, die von den Behörden nicht als solche anerkannt worden waren. Gertrud Kurz setzte sich bis zu ihrem Tod 1972 sehr aktiv für den CFD ein. Heute ist der CFD eine feministische Friedensorganisation.

Thematische Schwerpunkte des Nachlasses

Der Nachlass spiegelt das hohe persönliche Engagement von Gertrud Kurz sowohl für den CFD als auch für Hilfsbedürftige wieder, die privat an sie gelangten. Am eindrücklichsten lässt sich dies an der grossen Menge an Korrespondenz ersehen. Der Bestand umfasst auch viele Vorträge und Reden von Kurz und anderen, und die Dokumente zu Kongressen und Tagungen belegen den Einsatz von Gertrud Kurz für Flüchtlinge und Hilfsbedürftige und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Des Weiteren sind auch die Auslandprojekte des CFD gut dokumentiert.

Ergänzend zum Bestand im AfZ befindet sich im Schweizerischen Bundesarchiv weiteres Material zum Christlichen Friedensdienst.