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Nachlass Ernst Cincera

© Archiv für Zeitgeschichte (Nachlass Ernst Cincera)
Vortragsfolie "Scheinlogik", ca. 1970er - 1980er Jahre

Staatsschutz war das wohl prägendste Thema im politischen Schaffen von FDP-Politiker Ernst Cincera. Nach einer in jungen Jahren erfolgten Reise in den Ostblock wandelte er sich zum überzeugten Antikommunisten. Später machte er die Aufklärung über aus seiner Sicht staatsgefährdende Organisationen und Personen zu einem wichtigen Teil seiner politischen Arbeit. Ab den 1970er Jahren hielt er landesweit Vorträge zum Thema Staatsschutz und Subversion in der Schweiz. Diese veranschaulichte er – als ausgebildeter Grafiker –  anhand von Mindmaps und Grafiken auf Hellraumprojektorfolien. Cincera war (Mitbe-)Gründer der "Gruppe für zeitkritische Analysen" und der "Informationsgruppe Schweiz" mit ihrem Bulletin "Was, wer, wie, wann, wo". Erklärtes Ziel dieser Gruppen war es, die Tätigkeit von als subversiv eingestuften Personen zu dokumentieren und diesbezüglich relevante Informationen Vertretern aus der Wirtschaft, der Verwaltung und der Politik zur Verfügung zu stellen. Dafür baute Cincera mit Hilfe eines Netzes von Informanten ein privates Archiv auf. Es enthielt Informationen über zahlreiche Organisationen und mindestens 3500 Personen aus dem linken politischen Spektrum. Diese private Staatsschutzaktivität wurde 1976 durch Aktivisten der linksgerichteten Gruppierung "Demokratisches Manifest" aufgedeckt und machte Cincera als "Subversivenjäger" bekannt.

Politisches Engagement für Staatsschutz und gegen Subversion

Im Bestand, den Ernst Cincera wenige Monate vor seinem Tod dem Archiv für Zeitgeschichte übergeben hatte, sind zwar einige zeitgenössische Schriften mit Bezug zur Affäre Cincera / Demokratisches Manifest überliefert. Das sogenannte «Cincera-Archiv» hingegen, also die von ihm angelegte Dokumentation von als subversiv betrachteten Organisationen und Personen, soll nach seinen eigenen Angaben von der Nachfolgeorganisation seiner «Informationsgruppe Schweiz» vernichtet worden sein. Der Nachlass gibt Aufschluss über seine verschiedenen politischen Engagements und Mitgliedschaften, das Wirken als Nationalrat, sowie seine internationalen Kontakte. Dokumentiert ist ausserdem Cinceras intensive Vortrags- und Publikationstätigkeit vor allem zu Staatsschutz und Subversion. Zu grösseren Beiträgen (etwa dem für die Presse anhand von Stasi-Akten recherchierten Fall des Fluchthelfers Hans-Ulrich Lenzlinger) und Buchprojekten finden sich Rechercheunterlagen. Hinzu kommen etwas Korrespondenz sowie einige Personen- und Sachdossiers, u.a. zu Margarete Buber-Neumann.