- Erschliessen - Archivierung - Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich - www.afz.ethz.ch
Language:

Jugend im Widerstand

© Archiv für Zeitgeschichte (Nachlass Markus Redli)
«Mobilisation zur geistigen Wehr!», Aufruf der Tatgemeinschaft der Zürcher-Jugend zu einer Kundgebung, 13.10.1938 (Nachlass Markus Redli)

In den 1930er Jahren bildeten sich angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung die unterschiedlichsten Jugendbewegungen mit dem gemeinsamen Ziel, antidemokratische Tendenzen und frontistische Bewegungen und Organisationen in der Schweiz zu bekämpfen.

Hans Nef: studentischer Widerstand gegen nationalsozialistische und frontistische Bewegungen

An der Universität Zürich nahmen zu Beginn der 1930er Jahre verschiedene frontistische und rechtsorientierte Erneuerungsbewegungen ihren Anfang. So konstituierte sich u.a. die «Hochschulgruppe Neue Front» als studentischer, von der Universität anerkannter Verein. Unter linksorientierten Studenten regte sich bald Widerstand. Als Gegenbewegung zur «Neuen Front» bildete sich 1933 die antifaschistische «Kampfgruppe gegen geistigen Terror», die im Sommer desselben Jahres ebenfalls als Verein anerkannt wurde.

Der Student der Rechtswissenschaft, Hans Nef (1911-2000), schloss sich der «Kampfgruppe» an und präsidierte diese als Nachfolger des Physikstudenten Werner Niederer. Die Gruppe leistete nicht nur Widerstand gegen nationalsozialistische Tendenzen an den Zürcher Hochschulen, sie engagierte sich u.a. auch für das Hilfswerk für emigrierte deutsche Gelehrte. Bereits 1936 löste sich die «Kampfgruppe» auf – zeitnah zur Auflösung der «Neuen Front».

Von 1952 bis 1982 hatte Hans Nef eine ordentliche Professur für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht inne und amtierte von 1976 bis 1978 als Rektor der Universität Zürich. 2001 übergab seine Ehefrau dem Archiv für Zeitgeschichte die Personenkartei der «Kampfgruppe gegen geistigen Terror», mit den für die Mitgliedschaft in Vorschlag gebrachten Personen.

Markus Redli: «Tatgemeinschaft der Schweizer Jugend»

Im November 1938 formierte sich in Zürich die überparteiliche und überkonfessionelle «Tatgemeinschaft der Schweizer Jugend», die sich für die Verteidigung der Demokratie und gegen Aktivitäten frontistischer Organisationen sowie gegen nationalsozialistische Tendenzen in der Schweiz engagierte. Bereits Anfang des Jahres hatten sich in verschiedenen Städten Tatgemeinschaften gebildet, die sich nun zu einer schweizweiten Gemeinschaft zusammenschlossen. Die «Tatgemeinschaft der Schweizer Jugend» verstand sich als gemässigte Organisation, Gruppierungen der extremen Rechten und der extremen Linken wurden nicht aufgenommen. Mitinitiant des schweizweiten Zusammenschlusses war Markus Redli (1915-2012), damals Student der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft, später Generaldirektor der PTT.

1990 übergab Redli dem AfZ Dokumente zur Tatgemeinschaft. Seither wurde der Bestand mit Unterlagen anderer Provenienzen ergänzt. Aufrufe, Flugblätter sowie Mitteilungsblätter dokumentieren die Aktivitäten der Tatgemeinschaft. Darunter z.B. die Sprengung einer Veranstaltung der Nationalsozialistischen Schweizerischen Arbeiterpartei (NSSAP) in der Stadthalle Zürich, an welcher Ernst Leonhardt eine Rede halten sollte. Der Bestand beinhaltet ferner interne Korrespondenz der Leitungsmitglieder sowie Sitzungsberichte und ermöglicht so einen Einblick in die Organisation der Tatgemeinschaft.