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Jüdische Logen in der Schweiz

© Archiv für Zeitgeschichte (Bnai Brith-Loge Basel)
Léon Wormser, Gründer und erster Präsident der Bnai Brith-Loge Basel

Die Bestände der Basler und Berner Bnai Brith-Logen wurde dem Archiv für Zeitgeschichte 2014 und 2017 übergeben und konnten 2019 bis 2020 erschlossen werden. Sie ermöglichen einen spannenden Einblick in Teile des jüdischen Vereinslebens beider Städte sowie in die Strukturen einer Loge. Viele der Bnai Brith-Logen orientierten sich in Ihren Strukturen und Ritualen an anderen bestehenden bürgerlichen Logen (wie z.B. den Freimaurerlogen), welche lange Zeit die Aufnahme von Juden und Jüdinnen verweigerten.

Bnai Brith-Loge Basel (1905-2013)

Die Bnai Brith-Loge Basel wurde als erste jüdische Loge in der Schweiz am 14.5.1905 mit Mitgliedern aus der Breisgauloge und Neumitgliedern gegründet. Die Loge war auch unter den Schreibweisen «B’nai B’rith Basel», «Unabhängiger Orden B’nai B’rith (U.O.B.B.) Basel» oder «Basel-Loge (No. 595)» bekannt. Aufbau und Struktur der Basel-Loge passten sich den Vorgaben des Dachverbands an. Erster Präsident der Basel-Loge wurde Léon Wormser.

Mitglied der Loge konnten nur verheiratete Männer werden, welche älter als 24 Jahre waren und der Israelitischen Gemeinde Basel bzw. einer jüdischen Gemeinde angehörten. Die Logen-Tätigkeit umfasste neben dem geselligen Austausch unter den Mitgliedern vielfältige Wohltätigkeitsprojekte u.a. in Form der Errichtung eines jüdischen Spitals, der Ausbildung von jüdischem Pflegepersonal und der finanziellen Unterstützung für jüdische Studierende. Die gemeinsamen Feste der Loge orientierten sich zu Beginn an den jüdischen Feiertagen, schnell wurden die Feierlichkeiten mit verschiedenen kulturellen Abendprogrammen in Form von Vorträgen und Konzerten erweitert.

1907 gründete man den Schwesternbund der Basel-Loge mit Jenny Dreyfus-Strauss als erste Präsidentin. Der Schwesternbund organisierte Besuche bei Armen und Kranken, widmete sich der Förderung der beruflichen Ausbildung von Jugendlichen und der Gründung eines Kinderhorts. 1911 entstand unter Mithilfe der Basel-Loge der jüdische Turnverein Basel. Und 1932 unterstützte man die Einrichtung einer jüdischen Bibliothek. Die Basler Loge beteiligte sich vermehrt auch am internationalen Austausch unter den Logen und Dachverbänden, so fand beispielsweise der internationale Logenkongress 1955 in Basel statt, an dem u.a. auch Leo Baeck teilnahm.

In zahlreichen Statutenrevisionen spezifizierte die Basel-Loge ihre Tätigkeitsfelder und öffnete kontinuierlich den Zugang zur Mitgliedschaft. 1993 entstand mit der Zusammenlegung des Schwesterbunds und der Basel-Loge eine gemischte Loge. 2013 erfolgte aufgrund fehlender Kandidaten für die Besetzung des Beamtenrats die Auflösung der Basel-Loge.

B’nai B’rith-Loge Bern / Albert-Einstein-Loge Bern (AEL) (1962-1997)

Die Bnai Brith Loge Bern - auch B'nai B'rith - wurde am 4. November 1962 in Form eines Vereins als vierte Schweizer Bnai Brith-Loge gegründet und war auch unter dem Namen Albert-Einstein-Loge des Bnai Brith Bern bekannt. Erster Präsident der Loge war Robert Braunschweig.

Dem Vorbild der anderen, schon bestehenden Bnai Brith-Logen aus Zürich, Basel und Genf folgend blieb der Zutritt zur Loge in den ersten Jahren den männlichen Mitgliedern einer jüdischen Gemeinde vorbehalten. Die AEL öffnete sich 1994 fast zeitgleich mit der Basler Loge den Frauen der jüdischen Gemeinde und wurde zu einer gemischten Loge. Dabei übernahm man in Bern die Vorgaben aus Basel.

Ein wichtiges, in den Statuten festgehaltenes Engagement der AEL stellte ihre Mitwirkung an der Anti-Defamation-League (ADL) dar, einer von Bnai Brith-Mitgliedern gegründeten Organisation gegen Rassismus und Antisemitismus. Zu diesem Zweck bildete man eine Kommission innerhalb der Loge, auch ADL-Ausschuss genannt. Ähnlich wie die anderen Logen war die Berner Loge ebenfalls eng mit den Aktivitäten und der Organisation des Dachverbands "Grossloge Distrikt Nr. 19" verbunden. Dabei entstand eine rege Vernetzung unter den verschiedenen Logen in Europa und Nordamerika, welche unter anderem mit internationalen Treffen der Organisationen und regem Austausch gepflegt wurde.

Als einen Schwerpunkt ihrer Wohltätigkeit stellte die Berner Loge jüdischen Studierenden finanzielle Unterstützung zur Verfügung, kümmerte sich um die Ausbildung von jüdischem Pflegefachpersonal und unterhielt ein reichhaltiges kulturelles Veranstaltungsangebot in Form von Vorträgen und Diskussionsabenden. Nach dem Scheitern der Neustrukturierung und mangels aktiver Mitglieder dürfte in den späten 1990er Jahren die Auflösung der Loge eingeleitet worden sein. Einige Mitglieder der AEL wurden in der Folge von anderen noch bestehenden Logen der Schweiz aufgenommen.