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Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ)

© Archiv für Zeitgeschichte (ICZ-Archiv)
Die Präsidenten der ICZ 1880-1992 (ICZ-Archiv)

Historisches Archiv der ICZ

Pünktlich zum 150. Jubiläum der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ICZ (1862–2012) konnte im Juni 2012 nach eineinhalbjähriger Projektzeit die Erschliessung von deren Historischem Archiv abgeschlossen werden (Findmittel) . Der institutionelle Bestand der ICZ umfasst 85 Laufmeter Akten. Er ist damit nach dem historischen Archiv des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF) der zweitgrösste Bestand der Dokumentationsstelle Jüdische Zeitgeschichte.

Die papierene Überlieferung wird durch zahlreiche audiovisuelle Dokumente bereichert. Bilder der Präsidenten und Mitarbeiter, Tonbildschauen, Interviews u.a. mit Sigi Feigel, Vorträge von Willy Brandt oder Schimon Peres sowie die Filmaufnahme von Bau und Grundsteinlegung des Gemeindehauses an der Lavaterstrasse aus dem Jahr 1939 erlauben einen tiefen Einblick in das jüdische Leben und Wirken in der Stadt Zürich.

Bedeutung des Bestands

Das Sozialressort mit seinen Hunderten Personendossiers und -karteikarten bildet den Schwerpunkt des Archivs. Hier findet sich neben den Protokollen der Gemeindeversammlungen und Vorstandssitzungen die stabilste historische Überlieferung. Die soziale Betreuung von Kranken, Alten, Flüchtlingen und sonst Hilfsbedürftigen war und ist eine der Hauptaufgaben der ICZ von ihrer Gründung bis heute.

Daneben sind auch die zahlreichen Aussenkontakte und das politische und kulturelle Engagement der ICZ ausführlich abgebildet. Sie belegen deren prominente Stellung im stadtzürcherischen Umfeld sowie auf nationaler und internationaler Ebene. Antisemitismus, Rassismus und die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg bilden den grössten Themenblock.

Die Reichhaltigkeit und das im Vergleich zum Rest des Bestands hohe Alter des Materials im schulischen und religiösen Ressort illustriert die Relevanz dieser Aufgaben für die jüdische Gemeinschaft. Das erste Klassenbuch des Religionsunterrichts oder Urkunden für den Erwerb von Synagogenplätzen datieren zurück bis in die 1880er Jahre.

Überlieferungslücken

Leider ist in den meisten Bereichen aber auch eine Überlieferungslücke festzustellen. Sie umfasst die Zeit des Zweiten Weltkriegs sowie meist auch die 1950er und 1960er Jahre. Erst ab den 1970er Jahren scheint ein professionell organisiertes Sekretariat die Akten konsequent abgelegt zu haben. Auch fehlen die Akten des Rabbinats sowie der Vorsteher und Mitglieder vieler Kommissionen. Diese Mitgliederdossiers befinden sich aus organisatorischen Gründen weiterhin in Obhut der ICZ.