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Geistige Landesverteidigung im Kalten Krieg

© Archiv für Zeitgeschichte (SAD-Archchiv)
Chor der Roten Armee sorgt für rote Köpfe beim SAD: Kontroverse um Schweizer Tournee, 1964

Kaum schwiegen die Waffen am Ende des Zweiten Weltkriegs, kündigte sich bereits ein neuer globaler Konflikt an – der «Kalte Krieg» zwischen Ost und West. Auch die neutrale Schweiz blieb davon nicht unberührt. Fast nahtlos löste die Sowjetunion Nazideutschland als Bedrohungsbild ab. Die politische Stimmung war zunehmend antikommunistisch geprägt und richtete sich im Innern hauptsächlich gegen die anfänglich recht erfolgreiche Partei der Arbeit (PdA), welche 1944 als Nachfolgeorganisation der verbotenen Kommunistischen Partei der Schweiz gegründet worden war, ab Ende der 1960er Jahre dann auch gegen die «Neue Linke». In diesem Umfeld erfolgte 1947 die Gründung des Schweizerischen Aufklärungsdienstes (SAD), der sich bald als führende private Organisation der gegen den Kommunismus gerichteten Geistigen Landesverteidigung etablierte.

Aufklärung vor den Gefahren des Kommunismus

Der SAD verstand sich als zivile Nachfolgeorganisation der bei Kriegsende aufgelösten Sektion Heer und Haus der Armee – dessen Veranstaltungen fanden in den ersten Jahrzehnten denn auch oft in Kasernen statt und die Teilnehmenden reisten wie einrückende Wehrmänner mit dem Militärbillett an. Eine anfänglich erhoffte enge Zusammenarbeit mit der Bundesanwaltschaft hingegen kam nur ansatzweise zustande. Immerhin durfte der SAD die Namen von Beitrittswilligen zur Begutachtung jeweils nach Bern übermitteln, in der Hoffnung sich so gegen eine befürchtete Unterwanderung zu wappnen.

Ihrem Hauptziel, der Aufklärung vor den vom Kommunismus ausgehenden Gefahren, dienten interne Schulungen und Vortragsveranstaltungen, an die Mitglieder versandte vertrauliche Bulletins und an ein breiteres Publikum gerichtete Publikationen. Diverse Fachgruppen und regionale Sektionen boten den Mitgliedern die Möglichkeit aktiv mitzuwirken. Von Anfang an achtete die überparteiliche Organisation darauf, sich auf eine breite Basis abzustützen, indem sowohl die gemässigte politische Linke (Sozialdemokraten und Gewerkschaften) wie auch die damals politisch noch rechtlosen Frauen eingebunden wurden.

Von der zaghaften Öffnung hin zur grundlegenden Neuorientierung

Schon im Laufe des Kalten Krieges erwies sich eine Fokussierung auf den Antikommunismus allein als zu enge Zielsetzung. Unter den Präsidien von Hans W. Kopp und Peter Arbenz setzte ab Mitte der 1960er Jahre eine erste Öffnung hin zu allgemein politisch-staatsbürgerlichen Themen ein, welche 1982 in der Umbenennung in «Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Demokratie» mündete. Mit dem Ende des Kalten Krieges kam der SAD das einstige Feindbild definitiv abhanden. Mit einer grundlegenden Neuorientierung hin zu neuen Herausforderungen von Politik und Gesellschaft gelang es vorerst, den Fortbestand der Organisation zu sichern. Nach einem anhaltenden Mitgliederschwund und einer erneuten Umbenennung in «Horizonte Schweiz» erloschen die Vereinsaktivitäten um 2007 jedoch endgültig.

Quellen aus sechs Jahrzehnten gesichert

Erste Kontakte zur SAD hat das AfZ bereits gegen Ende des Kalten Krieges geknüpft. Der Hauptteil des Geschäftsarchivs konnte 1998 anlässlich der Auflösung des bisherigen vollamtlichen Zentralsekretariats übernommen und damit vor dem Verlust bewahrt werden. Eine letzte Nachlieferung ist 2018, also über zehn Jahre nach dem Ende der Vereinstätigkeit, ins AfZ gelangt.

Der Bestand im Umfang von rund 23 Laufmetern dokumentiert den gesamten Existenzzeitraum der Vereinigung. Aufgrund der eigenwilligen Geschäftsführung und der damit verbundenen Trennung von den ersten beiden Zentralsekretären sind allerdings erhebliche Teile aus den frühen Jahren verloren gegangen – einen gewissen Ersatz bieten die erhalten gebliebenen Handakten des ersten Präsidenten Hans A. Huber. Als besonders illustrative Trouvaille dürfen die zu Aufklärungszwecken gezeigten Filme aus der Sammlung des SAD-Filmdienstes gelten, welche hauptsächlich die Verhältnisse hinter dem «Eisernen Vorhang» thematisieren.

Eine grosszügige finanzielle Unterstützung seitens der einstigen SAD ermöglichte die eingehende Erschliessung dieses für die Erforschung der Zeit des Kalten Krieges in der Schweiz zentralen Bestandes.