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Swiss Textiles-Archive

© Archiv für Zeitgeschichte
Audiovisuelle Quellen werden digitalisiert und in langzeittaugliche Formate konvertiert

Der Beschluss zur Überführung der historischen Archive von Swiss Textiles ins Archiv für Zeitgeschichte erfolgte 2014 in Zusammenhang mit dem Projekt zur Sicherung und Zugänglichmachung der Seidenindustrie-Archive des Kantons Zürich. Daran beteiligt waren nebst dem Dachverband der schweizerischen Textilindustrie die Zürcherische Seidenindustriegesellschaft (ZSIG), das Staatsarchiv Zürich und das Landesmuseum Zürich. Begleitet wurden die archivischen Arbeiten durch ein von Alexis Schwarzenbach geleitetes Forschungsprojekt zur Geschichte der Seidenindustrie an der Hochschule Luzern.

Erschliessung und Zugang

Da das AfZ bereits mit anderen Erschliessungsprojekten ausgelastet war und die avisierte Projektphase zudem mit dem Umbau des Archivgebäudes am Hirschengraben 62 zusammenfiel, erfolgte die Erschliessung der Swiss Textiles-Bestände durch den Archivdienstleister docuteam GmbH. Dieser begann im Januar 2015 mit der Erschliessung des Papierarchivs aus den Verbandsbüros in Zürich und St. Gallen. Im Mai 2016 übergab docuteam die fertigen Bestände inklusive zugehöriger Metadaten dem AfZ. Im Rahmen des Erschliessungsprojekts war das AfZ seinerseits mit der digitalen Bereitstellung der audiovisuellen Quellen betraut. Seit September 2016 können Forschende und die interessiere Öffentlichkeit die Swiss Textiles-Archive online konsultieren. Einsicht in die Originalunterlagen kann anschliessend im Lesesaal des AfZ genommen werden.

Verbandsgeschichte

Die historischen Swiss Textiles-Archive umfassen insgesamt 63 verschiedene Provenienzen. Diese Vielzahl einzelner Verbandsarchive widerspiegeln auf anschauliche Weise die Veränderungsprozesse innerhalb der schweizerischen Textilindustrie. War die Branche zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch sehr kleinteilig und nach Produktegruppen organisiert, lösten zuerst die Mechanisierung und später die Auslagerung der Produktion an günstigere Standorte mehrere Wellen von Konsolidierungs- und Schrumpfungsprozessen aus. Diese Prozesse führten dazu, dass die Verbandslandschaft lange in Bewegung blieb und viele Verbände im Laufe ihres Bestehens reorganisiert, fusioniert oder auch einfach aufgelöst wurden. Daraus entstand ein einziger Gesamtverband für die Textil- und Bekleidungsindustrie, dessen Mitglieder sich auf Nischen-, High-Tech und / oder High-End-Produkte spezialisiert haben und stark in Innovationen investieren.

Die endgültige Konsolidierung der Verbandslandschaft begann in der Bekleidungsindustrie, welche 1972 mit dem Gesamtverband der Schweizerischen Bekleidungsindustrie (später Swissfashion) einen Dachverband schuf. DieTextilindustrie ihrerseits schloss sich 1990 mit der Gründung des Gemeinschaftsverbandes Textil (GVT, später Textilverband Schweiz [TVS]) ebenfalls unter einem Dachverband zusammen. 1998 erfolgte schliesslich der Zusammenschluss der Dachverbände der Bekleidungs- und Textilindustrie zum Textilverband Schweiz (TVS), Gesamtverband der schweizerischen Textil- und Bekleidungsindustrie (später Swiss Textiles).

Die oben beschriebene Bandbreite der Verbandslandschaft ist in den historischen Archivbeständen unterschiedlich gut dokumentiert. Während die grösseren Verbände gut dokumentiert sind und zentrale Serien wie Vorstandsprotokolle, Jahresberichte und Jahresrechnungen zumeist vorhanden sind, sind von kleineren Verbänden oft nur zufällige und vereinzelte Akten überliefert, welche oft nicht über den Beweis deren reiner Existenz hinausgehen. Audiovisuell sind alle Verbände unvollständig dokumenteiert; insbesondere aus der ersten Hälfte des 20. Jh. ist kaum Bildmaterial überliefert.

Der Wert der historischen Archive der Arbeitgeberverbände der Textilindustrie liegt gerade auch darin, dass durch die breite Quellenbasis Lücken in einzelnen Archiven kompensiert werden können. Die Archive werden zudem durch weitere Bestände aus dem AfZ ergänzt und kontextualisiert. So erweitert beispielsweise das Archiv des Schweizerischen Handels- und Industrie-Vereins (Vorort, heute economiesuisse) als Dachverband der Branchenverbände den Blick auf die politische Verbandsarbeit, und der Dachverband der Schweizerischen Maschinenindustrie (ASM/VSM, heute Swissmem) deckt eine für die Textilbranche wichtige Zuliefererindustrie ab.