Pilotprojekt hybrides Dokumentenmanagement

Ausgangslage

Die Gesellschaft zur Förderung der schweizerischen Wirtschaft (wf) übergab 1997 ihr Dokumentationsarchiv dem AfZ zur Aufarbeitung und Nutzbarmachung. 3131 Archivschachteln mit rund 1'500'000 Seiten oder 400 Laufmeter Materialien hatten sich im halben Jahrhundert zwischen 1943 und 1993 zu einer der umfangreichsten Wirtschaftsdokumentationen der Schweiz angesammelt. Als internes Informationszentrum für die Wirtschaftsverbände und deren Interessenvertreter konzipiert, wurden rund 3500 Dossiers mit Zeitungsausschnitten und Eigenschriften der wf zu grundlegenden schweizerischen Wirtschaftsfragen, führenden Firmen und wirtschaftspolitischen Akteuren angelegt.






Auftrag
 

Die Aufgabe der Dokumentationsstelle Wirtschaft und Zeitgeschichte bestand erstens darin, die dauerhafte Archivierung der Sammlung sicherzustellen. Dass angesichts der ungewohnt hohen Papierberge bereits dazu ein langer Atem nötig sein würde, war vorherzusehen. Die eigentliche Herausforderung bestand aber zweitens darin, dem wirtschaftshistorisch interessierten Publikum einen benutzerfreundlichen Zugang zur gewünschten Information anbieten zu können. Als Lösung, die beiden Ansprüchen gerecht zu werden vermochte, kristallisierte sich schrittweise das sogenannte hybride Dokumentenmanagement heraus.

Mikroverfilmung und Digitalisierung - Langzeitarchivierung und Benutzerfreundlichkeit

  Nach wie vor erweist sich der Mikrofilm - für die Zeitungsausschnitte wurde eine 50 fache Verkleinerung auf einem 16mm-Film gewählt - als Speichermedium, dessen lange Haltbarkeit mit geschätzten 100 bis 500 Jahren geprüft und bewährt ist. Gleichzeitig brachte die digitale Revolution Formate hervor, die für Recherche und Reproduktion mit unvergleichlich besserem Komfort aufwarten können. In der Mikrofilmzentrale der Eidgenössischen Drucksachen- und Materialzentrale (EDMZ) stand mit dem Kodak Digital Science Scanner / Microimager 990 ein Gerät zur Verfügung, welches beide Produkte - neben dem Mikrofilm ein tagged image file format (.tif-image) auf CD-ROM - in einem Arbeitsgang herstellt.
Erkauft wird dieser Vorteil mit zusätzlichen Vorbereitungsaufwendungen für das Scannen und Verfilmen, da dem Durchlaufgerät die einzelnen Dokumente ohne Büro- und Bostitch-Klammern und im A4- beziehungsweise A3-Format zugeführt werden müssen. Dieser enorm handarbeitsintensive Vorgang wurde zusammen mit der chronologischen Ordnung des Materials und der Verfeinerung und Aktualisierung der von der wf übernommenen Klassifikation durchgeführt.

Fazit

Der Gewinn einer sowohl analogen, als auch digitalen Speicherung liegt darin, dass neben reinen Sicherungsaspekten Nutzungswünsche und aktuelle Möglichkeiten der Informationsvermittlung stärker berücksichtigt werden. Angesichts der Unsicherheiten digitaler Formatentwicklungen bleibt bei künftigen Datenkonversionen der Rückgriff auf den Mikrofilm gewährleistet. Ein höchst willkommener Effekt ist zudem die Freilegung von Lagerraumkapazitäten. Die rund 500'000 Aufnahmen des bereits verfilmten und digitalisierten ersten Teils der wf-Sammlung 1943 bis 1974 etwa finden Platz auf 106 CD-ROM (ca. 50 GB Digitalisate) und ebensovielen Mikrofilmen und füllen statt 120 Laufmetern noch eine Schublade!

Seit Herbst 2001 ist im AfZ auch der Zugriff auf die elektronische Datenbank möglich, die von economiesuisse als Nachfolgeorganisation der wf seit 1993 betrieben wird. Damit sind im AfZ heute die historischen, wie die tagesaktuellen Zeitungsclippings lückenlos per Mausklick einseh- und reproduzierbar. Bezüglich der Archivierung und Digitalisierung von Massenakten und des Managements elektronischer Daten verfügt die Dokumentationsstelle Wirtschaft und Zeitgeschichte durch dieses Projekt, das von economiesuisse finanziell unterstützt wird, über das nötige know how, um den Archivierungsanforderungen im Informationszeitalter gewachsen zu sein.

Leitung:

Dr. Daniel Nerlich
MitarbeiterInnen: Sabina Bellofatto , Hubert Vilimek

 


© 2001 Archiv für Zeitgeschichte
Letztes Update: 24 Januar, 2006