Archiv des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen / Flüchtlingshilfen (VSJF)

 

Das Archiv des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF) wird im AfZ vor dem weiteren Verfall bewahrt und im Rahmen eines mehrjährigen Erschliessungprojektes für die Benutzung mittels einer Forschungsdatenbank aufgearbeitet. Das bislang kaum ausgewertete Archiv im Umfang von 170 Lfm. (ca. 15'000 Einzeldossiers aus der Zeit von 1938 - 1980) hat für die Flüchtlingsgeschichte der Schweiz und Europas zentrale Bedeutung. Hier zeigen sich Leben und Geschichte der Flüchtlinge aus ihrer eigenen und aus der Perspektive ihrer Interessenvertretung.

Finanzierung des Projekts mit Hilfe der evangelisch reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
Dieses Förderungsprojekt würdigt die von jüdischer Seite während des Zweiten Weltkrieges unter grossen Opfern in der Schweiz erbrachte Flüchtlingshilfe erstmals nicht nur mit Worten, sondern auch durch tatkräftige Hilfe.
Am 10. Juni 1997 erhob die Synode den Antrag des Kirchenrats mit ganz überwiegender Mehrheit zum Beschluss: Sie bewilligte für das Erschliessungsprojekt, dessen Gesamtkosten auf 1,3 Millionen veranschlagt werden, einen Beitrag von 600'000 Franken

Das Projekt wurde im Mai 2003 erfolgreich abgeschlossen (Bericht ETH Life). Kleinere Nachfolgeprojekte sind in Planung.

Das VSJF-Archiv vor seiner Übernahme durch das AfZ

Geschichte und Tätigkeiten des VSIA / VSJF

Von der lokalen Armenfürsorge zur nationalen Flüchtlingshilfe (1925-1945)

Nachdem sich zunächst lokale Armenfürsorgen für einzelne notleidende Juden in der Schweiz eingesetzt hatten, wurde 1925 als gesamtschweizerische Dachorganisation der Verband Schweizerischer Israelitischer Armenpflege (VSIA) gegründet. Ab 1933 übernahm der VSIA für die durch den Nationalsozialismus verfolgten Juden die Funktion einer Zentralstelle für jüdische Flüchtlinge. 1936 engagierte sich der VSIA, der die Hauptlast der Flüchtlingsbetreuung zu tragen hatte, als Gründungsmitglied innerhalb der Schweizerischen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe (SZF) für eine humanitäre Praxis der Flüchtlingspolitik. Ab 1943 wurde die Namensänderung in Verband Schweizerischer Jüdischer Flüchtlingshilfen / Fürsorgen (VSJF) vorgenommen.

Nachkriegsjahre und neue Krisen (1945-1990)

Neben seinen fürsorgerischen Aufgaben setzte der VSJF auch nach dem Krieg die Flüchtlingsbetreuung fort, wie z.B. für Flüchtlinge aus Ungarn, der Tschechoslowakei, aus Uganda und Chile; dazu kamen Vietnamesen, Ägypter, Bosnier und Juden aus der Sowjetunion.

EDV-Datenbank

Mit einer fein strukturierten Datenbank werden nicht nur die Personalien der einzelnen Flüchtlinge aufgenommen, sondern auch weitergehende Angaben zu den Biographien und Dossierinhalten: zur Flucht (Herkunftsland, Inhaftierung in einem KZ, Fluchtweg, Einreisedatum, Einreiseort, Fluchtgrund), zum Aufenthalt in der Schweiz (rechtlicher Status, Arbeitslager und Privatunterkünfte), zur Rück- und Weiterwanderung (Ausreisedatum und Ausreiseland), zu Angehörigen und ihrem Verbleib (Personalien, Aufenthaltsort oder Deportation), zur Krankengeschichte, zu Ausbildung und Beruf sowie zu Wiedergutmachungsbelangen. Diese detaillierte Datenbank bietet einerseits die Grundlage für statistische Auswertungen, andererseits ermöglicht sie aber auch durch kombinierbare Abfragemöglichkeiten gezielt nach Themen zu recherchieren.

Benutzungsbestimmungen

Für die Einsichtnahme muss an das Archiv für Zeitgeschichte ein schriftliches Gesuch eingereicht werden. Für die Benutzung gelten die durch das Archivgesetz vorgegebenen datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

 


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Letztes Update: 25 Januar, 2006