Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund
Das Archiv des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) wurde dem AfZ im Jahr 1998 übergeben und bildet seither einen Schwerpunkt der Erschliessungsarbeit der Dokumentationsstelle für Jüdische Zeitgeschichte. Zuvor hatte das AfZ bereits das Archiv der Pressestelle JUNA ("Jüdische Nachrichten") und Teile des historischen Archivs des VSJF übernommen. Beide enthielten zu einem grossen Teil Materialien, die nach ihrer Provenienz dem SIG zugeordnet werden konnten. Das Erschliessungsprojekt umfasst deshalb eine eigentliche Rekonstruktion des SIG-Archivs, um diese Materialien in ihrem historischen Zusammenhang für die Forschung zugänglich zu machen. Insgesamt werden Unterlagen von rund 130 Laufmetern bearbeitet. Das historische Geschäftsarchiv des SIG enthält die Unterlagen der Jahre 1904 bis 1985.

Dank der finanziellen Unterstützung des Kantons Zürich und der Stiftung für Jüdische Zeitgeschichte kann die Sicherung und Erschliessung der Akten vorgenommen werden.
 

Geschichte und Tätigkeit des SIG

Der SIG wurde 1904 als Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in der Schweiz gegründet. Als wichtigste Aufgaben schrieb sich der SIG die Wahrung der Interessen der Jüdinnen und Juden in der Schweiz und deren Vertretung gegenüber den eidgenössischen Behörden in die Statuten. Die Aufhebung des Schächtverbots und die Versorgung mit Koscherfleisch waren die Hauptanliegen in den ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens. In den 1930er Jahren zwangen die Angriffe der Fronten und die einsetzende Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland zu einer Intensivierung der Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus. Gleichzeitig übernahm er die Fürsorge für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland, die 1935 dem VSIA übertragen wurde, während der SIG weiterhin für die Finanzierung verantwortlich war. Ein Jahr später gründete der SIG die Pressestelle JUNA, die mit ihrem Informationsdienst die Anliegen des SIG in die schweizerische Öffentlichkeit tragen sollte. Nach 1945 verschoben sich allmählich die Prioritäten: Religiöse und kulturelle Bildung sowie die Jugendarbeit in den einzelnen Gemeinden gewannen an Gewicht. Die verstärkte Öffnung gegenüber der nichtjüdischen Umwelt fand ihren Niederschlag u.a. im jüdisch-christlichen Dialog. Der SIG engagierte sich weltweit in zahlreichen internationalen jüdischen Organisationen (z.B. WJC, Jewish Agency, WIZO, Joint) und fördert gute Beziehungen zu Israel.


Archiv

Wer sich mit dem jüdischen Leben in der Schweiz befasst, findet hierzu im historischen Archiv des SIG reichhaltige Quellenmaterialien. Einen Kernbestand bilden die Protokolle der jährlichen Delegiertenversammlung und der leitenden Gremien des SIG. Die Protokolle wurden auf Mikrofilm gesichert und digitalisiert. Ab 1944 wurde zu den Protokollen der Geschäftsleitung ein spezielles Register der behandelten Traktanden erstellt, das die Suche wesentlich erleichtert. Die thematische Struktur der Protokolle und des Registers orientiert sich an den Tätigkeitsbereichen des SIG, die ab Mitte der 1940er Jahre von sogenannten Ressorts wahrgenommen wurden. Es sind dies: Soziale Arbeit (ehemals Flüchtlinge), Religiöses, Kulturelles, Abwehr und Aufklärung, Jugend, Repräsentation, Organisation und Verwaltung sowie Finanzielles. Diese Organisationsstruktur ist auch grundlegend für die Neuordnung des Archivs. Es umfasst Sachdossiers, Korrespondenzen und Dokumentationen der genannten Ressorts. Die Akten der Präsidenten und des Sekretariats bilden einen wesentlichen Teil des Geschäftsarchivs.


Projektteam

Leitung: Dr. Uriel Gast, Dr. Claudia Hoerschelmann
Dauer: Abschluss 2006


© 2001 Archiv für Zeitgeschichte
Letztes Update: 25 Januar, 2006