|
Geschichte
und Tätigkeit des SIG
Der SIG wurde 1904 als Dachorganisation der jüdischen
Gemeinden in der Schweiz gegründet. Als wichtigste Aufgaben schrieb
sich der SIG die Wahrung der Interessen der Jüdinnen und Juden
in der Schweiz und deren Vertretung gegenüber den eidgenössischen
Behörden in die Statuten. Die Aufhebung des Schächtverbots
und die Versorgung mit Koscherfleisch waren die Hauptanliegen in den
ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens. In den 1930er Jahren zwangen
die Angriffe der Fronten und die einsetzende Judenverfolgung im nationalsozialistischen
Deutschland zu einer Intensivierung der Beobachtung und Bekämpfung
des Antisemitismus. Gleichzeitig übernahm er die Fürsorge
für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland, die 1935
dem VSIA übertragen wurde, während der SIG weiterhin für
die Finanzierung verantwortlich war. Ein Jahr später gründete
der SIG die Pressestelle JUNA, die mit ihrem Informationsdienst die
Anliegen des SIG in die schweizerische Öffentlichkeit tragen sollte.
Nach 1945 verschoben sich allmählich die Prioritäten: Religiöse
und kulturelle Bildung sowie die Jugendarbeit in den einzelnen Gemeinden
gewannen an Gewicht. Die verstärkte Öffnung gegenüber
der nichtjüdischen Umwelt fand ihren Niederschlag u.a. im jüdisch-christlichen
Dialog. Der SIG engagierte sich weltweit in zahlreichen internationalen
jüdischen Organisationen (z.B. WJC, Jewish Agency, WIZO, Joint)
und fördert gute Beziehungen zu Israel.
Archiv
Wer sich mit dem jüdischen Leben in der Schweiz befasst,
findet hierzu im historischen Archiv des SIG reichhaltige Quellenmaterialien.
Einen Kernbestand bilden die Protokolle der jährlichen Delegiertenversammlung
und der leitenden Gremien des SIG. Die Protokolle wurden auf Mikrofilm
gesichert und digitalisiert. Ab 1944 wurde zu den Protokollen der Geschäftsleitung
ein spezielles Register der behandelten Traktanden erstellt, das die
Suche wesentlich erleichtert. Die thematische Struktur der Protokolle
und des Registers orientiert sich an den Tätigkeitsbereichen des
SIG, die ab Mitte der 1940er Jahre von sogenannten Ressorts wahrgenommen
wurden. Es sind dies: Soziale Arbeit (ehemals Flüchtlinge), Religiöses,
Kulturelles, Abwehr und Aufklärung, Jugend, Repräsentation,
Organisation und Verwaltung sowie Finanzielles. Diese Organisationsstruktur
ist auch grundlegend für die Neuordnung des Archivs. Es umfasst
Sachdossiers, Korrespondenzen und Dokumentationen der genannten Ressorts.
Die Akten der Präsidenten und des Sekretariats bilden einen wesentlichen
Teil des Geschäftsarchivs.
Projektteam
Leitung: Dr.
Uriel Gast, Dr. Claudia Hoerschelmann
Dauer: Abschluss 2006
|